FLÜCHTLINGSLAGER TRAISKIRCHEN

"Medizinisch nicht vertretbar"

Politik | aus FALTER 47/03 vom 19.11.2003

Seit einigen Wochen liegt der fünfjährige Ibragim H. (Name der Redaktion bekannt) im St. Anna Kinderspital. Diagnose Krebs. Bald könnte er aus dem Spital entlassen werden. Aber: Sein "Zuhause" ist für den tschetschenischen Buben lebensgefährlich. Der kleine Patient und seine Eltern sind im Flüchtlingslager Traiskirchen untergebracht. "Leukämiekranke Kinder dürfen sich nicht mit mehreren Menschen in geschlossenen Räumen aufhalten", erklärt der behandelnde Arzt Georg Mann. "Da das Immunsystem so geschwächt ist, kann eine Infektion tödlich enden", sagt der Arzt. Sogar ambulante Patienten werden mit dem Krankentransport ins St. Anna gebracht. Eine Massenunterkunft wie Traiskirchen sei "medizinisch nicht vertretbar". Auch seine Mutter darf Ibragim momentan nicht sehen. Sie hat sich im Lager mit Windpocken angesteckt.

  Das Innenministerium teilte der Sozialarbeiterin vom St. Anna jedoch mit, dass es außer in Traiskichen keinen anderen Platz für die tschetschenische Familie gebe.

  "Ich werde mich mit dem Innenminister in Verbindung setzen", erklärt Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck dem Falter, "denn wenn der Bub nicht in Traiskirchen untergebracht werden darf, müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen."

  Nun ist dem Innenministerium etwas eingefallen: "Wir organisieren eine Wohnung in Wien für die Familie", sagt ein Sprecher des Ministers. Bezahlt werde die Unterkunft von der Republik. Bis sie gemeinsam dort wohnen können, werde es aber etwas dauern. "In Traiskirchen haben wir gerade zwanzig Masernfälle, und es muss sichergestellt sein, dass die Familie den Infekt nicht auf ihr Kind überträgt."


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