STREIFENWEISE

Kultur | McKECHNEAY / NÜCHTERN | aus FALTER 47/03 vom 19.11.2003

Man schreibt das Jahr 1983: Ingo und Nadia sind ein Paar. Weil sie das jedoch selbst nicht mehr so recht glauben, fahren sie auf die Berghütte von Nadias Eltern, irgendwo in der verschneiten Wildschönau, um sich in der Einsamkeit ihren Zweisamkeitsstatus zu beweisen. Dumm nur, dass Nadias Bruder Knut, ohne Bescheid zu sagen, eine Horde verspätete Hippies mit Gitarrenkoffern, deren antiautoritär erzogene Kinder sowie Skilehrer Ingo, einen einsamen Vorboten der Spaßgesellschaft, auf dieselbe Hütte geladen hat: Was als Beziehungskur gedacht war, artet bald zur Großgruppentherapie aus. Mit "Sie haben Knut" ist dem 32-jährigen Stefan Krohmer (Regie) und Daniel Nocke (Drehbuch) eine wunderbar dichte, immer zur rechten Zeit liebevolle oder boshafte Komödie gelungen: ein Stimmungsbild der Achtziger, in dem endlich mal nicht Requisiten, sondern Charaktere und deren Posen im Vordergrund stehen.

  "Love Actually" spielt nach dem 11. September und lässt es sich vom Prolog bis zum Finale angelegen sein, etwas zu "beweisen", was von Anfang an feststeht: Es gibt sie eh - immer und überall. Die Liebe macht weder vor präpubertären Knaben noch deren frisch verwitweten Stiefvätern (Liam Neeson), weder vor ehemüden Büroleitern (Alan Rickman) noch vor frisch gehörnten Schriftstellern (Colin Firth), weder vor pummeligen Sekretärinnen noch warm duschenden Premierministern (Hugh Grant) Halt. Einen ganzen Schippel Stars hat Regisseur Richard Curtis ("Four Weddings and a Funeral") versammelt, um den vorweihnachtlichen Besinnungsterror in 140 Minuten (!) Kino für emotional und zerebral Inkontinente zu verwandeln. Dabei wird jede Story im Ansatz erstickt, um sie einer gnadenlosen "Jedes Topferl findt sein Deckerl"-Mechanik unterzuordnen. Es ist zum Kirchenanzünden!


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