SPIELPLAN

Kultur | FASTNER/KRALICEK | aus FALTER 47/03 vom 19.11.2003

Mit "Tania", einem merkwürdigen Zwischending aus Musical und Jazzoper, meldet sich die Operngruppe Musikwerkstatt um Dirigent Huw Rhys James im Jugendstiltheater zurück. Für ein Musical ist die Story einfach zu gut: Ausgehend von der wahren Geschichte der Patty Hearst, die 1974 entführt wurde und zu den Terroristen überlief, entwickelte John Lachiusa das vielschichtige Seelendrama einer Frau, die zwischen biederer Bürgerlichkeit und revolutionären Rachegedanken hin und her gerissen wird. Um aber Jazz oder Oper oder irgendetwas dazwischen zu sein, zeigt die Musik von Anthony Davis viel zu wenig Innovationswillen und beschränkt sich, wie auch Regisseurin Paola Viano, weitgehend auf professionelle Theaterpragmatik. So ist "Tania" (bis 22.11.) vor allem wegen der tollen Leistung der Sopranistin Ute Gfrerer in der Titelpartie hörenswert.

  "Beinahe eine Operettenrevue" nennt sich ein kleiner Abend in der Drachengasse, der dem Librettisten und Liedtexter Fritz Löhner-Beda ("Das Land des Lächelns") gewidmet ist: Short Cuts ganzer Operetten und ergreifend klägliche Schlagerinterpretationen werden mit biografischen Daten kontrastiert - der Jude Löhner-Beda wurde 1942 in Auschwitz ermordet. Mit der Volkstheaterschauspielerin Doris Weiner und dem Wiener Geheimgenie Stefan Sterzinger (Franz Franz) zeichnet für "Ausgerechnet Bananen!" (bis 22.11.) ein ziemlich ungleiches Paar verantwortlich. Tatsächlich gehen Sterzingers schundige Arrangements (Werkelmann goes Elektronik) und das vergleichsweise konventionelle Spiel des Mini-Ensembles (neben Weiner: Matthias Klein und Christoph Steiner) nicht ganz zusammen. Aber genau daraus bezieht der Abend seinen Charme.

 


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