Nieder mit der Rasterstadt!

Kultur | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 47/03 vom 19.11.2003

URBANISMUS Der als "Kleinstadtidylliker" missverstandene Camillo Sitte (1843-1903), der die Stadtplanung vom Diktat der Geraden befreien wollte, wird in seiner Aktualität wieder entdeckt. 

Man kann davon ausgehen, dass Camillo Sitte zu jener Spezies von Musikliebhabern zählen würde, die Vinyl der Compact Disc vorziehen. Denn der Direktor der Wiener Staatsgewerbeschule, begeisterter Freizeitcellist und Richard-Wagner-Anhänger, liebte die Nebengeräusche, die entstehen, wenn die Idee eines Kunstwerks die Bühne des Lebens betritt. Als ein früher Theoretiker des Atmosphärischen flanierte er entlang der neuen Prachtbauten zwischen Rathaus und Hofoper und vermisste auf seinen Spaziergängen durch das Wien der Ringstraßenzeit jene Unregelmäßigkeiten, die eine glatte Oberfläche sinnlich machen: Staub, Wind, Bodenbelag und Bepflanzung waren ihm ebenso wichtig wie Fassadengestaltung und historisch korrektes Baustilzitat.

  "Zur Erweckung eines Heimatgefühls" möge die Gestaltung dessen


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