NEUE BÜCHER VON IMRE KERTÉSZ

Die Liebe in Zeiten von Auschwitz

KLAUS NÜCHTERN | Kultur | aus FALTER 48/03 vom 26.11.2003

Über Auschwitz kann man nur einen schwarzen Roman schreiben, einen, mit allem Respekt gesagt: Kolportageroman in Fortsetzungen, der in Auschwitz beginnt und bis zum heutigen Tag dauert." Das schreibt Imre Kertész in seiner Nobelpreisrede, die nun dem als Gratisbuch neu aufgelegten, mit Bürgermeistervorwort und Fernwärmegeschäftsführernachwort versehenen Filmdrehbuch "Schritt für Schritt" hinzugefügt wurde. Kertész selbst hat sich an diese Einsicht gehalten und mit "Liquidation" soeben einen Roman veröffentlicht, der das Andauern von Auschwitz zum Thema hat. Damit schreibt er seinen Fortsetzungsroman noch einmal fort, und die "Trilogie der Schicksallosigkeit", die 1990 abgeschlossen schien, wird zur Tetralogie erweitert.

  Im Zentrum von "Liquidation" steht der Schriftsteller B., der im Dezember 1944 im Lager Birkenau zur Welt kam und sich 1990 das Leben genommen hat. Zu seinem literarischen Nachlass gehört unter anderem das Stück "Liquidation", in dem B.s Freunde als Figuren

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