AUFGEBLÄTTERT

Kultur | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 48/03 vom 26.11.2003

Einer der Mythen moderner Architektur war ihre programmatische Abgrenzung vom 19. Jahrhundert. Heute erzählt die Architekturgeschichte den Weg zur Moderne nicht mehr als "Revolution", sondern als evolutionären Verlauf. Das beweist die vom ungarischen Architekturhistoriker Ákos Moravánszky herausgegebene Textanthologie "Architekturtheorie im 20. Jahrhundert". Rem Koolhaas oder Peter Eisenman greifen Themen auf, deren Begrifflichkeit bereits ein Jahrhundert vorher entwickelt wurde. Die kommentierten Texte lassen etwa die Wiederentdeckung des Ortsbezuges als eine theoretische Wellenbewegung erscheinen, die von Adolf Loos bis zu Marc Augés viel zitiertem Text "Orte und Nicht-Orte" (1992) reicht.

  Mit seinem architektonischen "Prinzip der Bekleidung" bot sich der deutsche Architekt und Universalgelehrte Gottfried Semper (1803-1879) als ideale Zielscheibe moderner Kritik an. Die Gestaltung von Wänden habe keinen technischen Konstruktionsgesetzen, sondern der ursprünglichen menschlichen


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