BUCHTIPP

Reichtümer und Tragödien

Kultur | aus FALTER 48/03 vom 26.11.2003

Erinnerung. Bei Großmama gesessen, wie so oft, als Mama hereinstürzt und von Schuschniggs Abschiedsrede berichtet. Großmama erbricht sich vor Aufregung. Ich verstehe überhaupt nicht, warum das so erschütternd ist."

  Henriette Mandl, geborene Reich, war im März 1938 neuneinhalb Jahre alt. Kurz nach dem "Anschluss" gelangte sie mit einem Kindertransport ins sichere England. Vater Maximilian war Journalist; die beiden Töchter, Henriette und Trudi (Portisch), erbten die Neigung und das Talent zum Schreiben. Seit vielen Jahren leben sie wieder in Wien und arbeiten bis heute als Schriftstellerinnen.

  "Geteilte Erinnerung", der schmale Begleitband zur aktuellen Ausstellung in der Österreichischen Exilbibliothek, ist voll mit solchen Familiengeschichten - Erinnerungen an die Eltern und Großeltern, die Kindheit hier in Wien, in Berlin oder im Exil. So unterschiedlich sich die Kurzbiografien der knapp dreißig Autoren und Autorinnen auch lesen, so haben ihre Texte dennoch eins gemeinsam:


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