DER NEUE BEGLEY

Eine verhängnisvolle Affäre

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 48/03 vom 26.11.2003

Wird man in einer Bar von einem Fremden auf einen Drink eingeladen, ist Vorsicht geboten. Entweder hat der Spender sexuelle Absichten oder er braucht einen Zuhörer. Der Mann, der den Erzähler in Louis Begleys siebentem Roman, "Schiffbruch" ("Shipwreck"), auf einen Whiskey einlädt, gehört eindeutig in letztere Kategorie: Er will reden. An diesem und den folgenden Abenden wird er seinem Zuhörer buchstäblich einen ganzen Roman erzählen.

  John North lebt als angesehener Schriftsteller in New York und hat weder private noch berufliche Probleme. Er ist glücklich mit der wohlhabenden Ärztin Lydia verheiratet; sein neuer Roman "Der Ameisenhaufen" hat gute Kritiken bekommen und soll verfilmt werden. Weil die französische Übersetzung des Buches soeben erschienen ist, befindet sich North am Beginn der Geschichte gerade in Paris, um Interviews zu geben. Das Verhängnis begegnet ihm in Gestalt einer jungen Vogue-Redakteurin namens Léa, mit der er eine heftige Affäre beginnt: "Mit Léa

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