NEUES AUF KAIROS

Höchstes Niveau garantiert

Kultur | CARSTEN FASTNER | aus FALTER 48/03 vom 26.11.2003

Vor vier Jahren gegründet, kann das Wiener Label Kairos (Vertrieb: Lotus) mittlerweile auf einen beachtlichen und gut zusammengestellten Katalog erstklassiger CDs mit ausschließlich zeitgenössischer Musik verweisen. Internationale Größen (etwa Helmut Lachenmann, Gérard Grisey oder Morton Feldman) sind hier ebenso vertreten wie viel versprechende junge Komponistinnen und Komponisten, die mit ihrem Kairos-Auftritt eigentlich nicht mehr wirklich als Geheimtipp bezeichnet werden können. Misato Mochizuki (siehe Artikel oben) ist so ein Fall, und seit kurzem auch Johannes Maria Staud, der in der derzeit so lebendigen Musikszene Österreichs eine der spannendsten Positionen einnimmt. Exemplarisch verkörpert der 1974 in Innsbruck geborene Wahlwiener eine neue Komponistengeneration, die zwar von den strengen Avantgardetechniken der Sechzigerjahre geprägt ist, dabei aber mit der häufig zum Dogma verkommenen Nachkriegsforderung nach dem "Traditionsbruch" nicht mehr allzu viel anzufangen weiß und auch gerne der lange Zeit verpönten Emotionalität frönt.

  Die fünf Werke von Stauds erster Porträt-CD ("Berenice", "Polygon" u.a.) wurden u.a. vom Klangforum Wien unter Sylvain Cambreling, vom RSO Wien, von Marino Formenti, Thomas Larcher (Klavier) und Petra Hoffmann (Sopran) eingespielt. Erstklassige Musiker allesamt - und genau das ist auch der Witz des Labels, das stets höchstes interpretatorisches Niveau garantiert: Man kann ungehört zugreifen. Wer sich dennoch einen ersten Überblick über den Katalog verschaffen möchte, dem bietet eine Einführung in die Neue Musik dazu Gelegenheit, auf der Labelgründer und steirischer-herbst-Intendant Peter Oswald Ausschnitte aus den Arbeiten von 15 verschiedenen Kairos-Komponisten kommentiert.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige