SPIELPLAN

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 48/03 vom 26.11.2003

Gelungener und sinnvoller als der Kurswechsel im Haupthaus erscheint die Reform, die sich Josefstadt-Direktor Hans Gratzer für die Kammerspiele ausgedacht hat: Statt altbackener Schwänke wird dort jetzt auf Boulevard zeitgenössischer Machart gesetzt. Neu im Spielplan: das pointierte Ehedrama "Freunde zum Essen" von US-Autor Donald Margulies. Dietmar Pflegerls Inszenierung, die im Vorjahr bereits erfolgreich in Berlin gezeigt wurde, ist mit Musicalstar Sona MacDonald und Ex-Schaubühnenmitglied Gerd Wameling hochkarätig besetzt und bietet - von lähmenden Umbaupausen abgesehen - gediegene Unterhaltung. Warum das Stück allerdings mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, erscheint schleierhaft; die wenig überraschende Botschaft, dass Sex in der Ehe mit der Zeit zum Problem werden kann, wurde durchaus schon origineller verpackt.

  Deftiger zur Sache geht es im Theater des Augenblicks, wo Robert Quitta "Büchner seziert" (bis 12.12.) zeigt. Einmal mehr hat der Wiener Regisseur in der Biografie eines berühmten Künstlers ein bisher wenig beachtetes Detail entdeckt: Der Dichter und Mediziner Georg Büchner soll ein (verschollenes) Drama über den Renaissancedichter Pietro Aretino verfasst haben. Davon ausgehend, inszeniert Quitta mit zwei starken Schauspielern ein witziges Duell zwischen Intellekt und Wollust: Während Büchner (Bernhard Karner) Aale seziert und aus seiner Dissertation über das Nervensystem der Fische rezitiert, schwingt Aretino (Gernot Plass) den Pinsel und die Zote ("O, wäre ich ganz Fut!"); dazwischen führen vier Nutten Kundentelefonate ("Kaviar? Ist aus!"). Das Match endet nach fünfzig Minuten mit einem gerechten Unentschieden.


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