STREIFENWEISE

Kultur | MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 48/03 vom 26.11.2003

Eine der großen Schwierigkeiten des Dokumentarischen besteht, wie Cahiers-du-Cinéma-Kritiker Serge Daney einmal bemerkt hat, darin, Erfahrung mitzuteilen. Wenn sich diese Woche gleich zwei Dokumentarfilme an der Darstellung des Lebens, oder genauer der Lebenserfahrung, von Prominenten versuchen, begeben sie sich in diesen Grenzbereich: "Elisabeth Kübler-Ross - Dem Tod ins Gesicht sehen" des Schweizer Regisseurs Stefan Haupt befasst sich mit der gleichnamigen Wissenschaftlerin, die ihr Leben der Botschaft widmete, dass der Tod ein positiver Vorgang sei, und die nun, wo der eigene Abschied bevorsteht, nicht sterben mag. Dieses Paradox zwischen der Summe der Erfahrung und gegenläufigem Verhalten bildet das Zentrum des Films, dem sich Haupt über eine eher konventionelle, chronologische Montage von Ton- und Bilddokumenten, Familienfotos, alte und neue Interviews mit Kübler-Ross und Gespräche mit ehemaligen Kollegen und Verwandten nähert.

  Einen solchen biografischen Ansatz umgeht "Behind Me - Bruno Ganz": Regisseur Norbert Wiedmer sucht das Wesen des alternden Schauspielers vielmehr in dessen Ausdrucksvermögen, sei es auf der Bühne - beim Erarbeiten des "Faust" in der Inszenierung von Peter Stein - oder im Privatleben. Wie magnetisiert haftet der Blick der Kamera auf dem Gesicht von Ganz. Der Versuch, aus dessen Mimik, aus Furchen und Linien in Videogroßaufnahme, ein Leben herauszulesen, will jedoch nicht so recht gelingen. Aber vielleicht ist das Scheitern, um zu Daney zurückzukehren, Teil des Projektes, liegt doch das Wesen der persönlichen Erfahrung eben genau dort: in ihrer Nichtmitteilbarkeit.


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