NÜCHTERN BETRACHTET

Herbstkonzertbesuchserlebnisaufsatz 2

Kultur | aus FALTER 48/03 vom 26.11.2003

Das Schöne an Sitzkonzerten ist, dass bei diesen auf so altmodische Tugenden wie Pünktlichkeit und so altmodische Tabus wie Rauchverbot noch etwas gegeben wird. Man hört dann eben eine Dreiviertelstunde Musik, ohne dass man dabei raucht, trinkt, schmust oder tanzt. Das geht schon. Man kann all das ja in der Pause nachholen. Aber auch Sitzmusik kann ihre Schattenseiten haben. Ihre Namen sind Humor und Live-Elektronik. Wenn in der Neuen Musik der Weißclown sein schmutziges Haupt erhebt, dann wird Unfug mit dem Geigenbogen getrieben und allerhand sonstiger Schabernack. Dafür ist das Publikum auch noch dankbar. Warum? Weil es die Live-Elektronik gibt. Die ist dazu da, dass ephemeres Gekratze auf einer Violinseite verstärkt und über Lautsprecher im Uhrzeigersinn durch den Saal gejagt wird. Das ist noch langweiliger als das langweiligste Bob-Dylan-Konzert, gilt aber seit Jahrzehnten als Eisbrecher konventioneller Hörgewohnheiten und ergo als spannend. Aus diesen Gründen muss ich jetzt


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