STANDPUNKT

Kalter Herbst

Politik | aus FALTER 49/03 vom 03.12.2003

Homophobie im Dezember: Die schwarze Generaldirektorin weigert sich, im Rahmen der ORF-Kuppelshow "Dismissed" jene Folgen auszustrahlen, in der zwei Schwule um die Gunst eines dritten Mannes buhlen. Weil sie "das" am Samstag um 17 Uhr "für nicht wirklich angebracht" hält. Ein Wiener darf seine Friedensfahne nicht mehr beim Fenster raushängen, weil diese der Regenbogenfahne der Homo-Bewegung zu sehr gleicht (siehe S. 13): Das entschied unlängst ein Richter des Bezirksgerichts Innere Stadt. Damit gab er der Wohnungseigentümerin Recht, die geklagt hatte, weil sie wegen der Fahne mehrmals gefragt worden sei, ob sie ein Schwulen- oder Lesbenlokal aufmache. Der rote Kulturstadtrat von Wien sieht "keine Notwendigkeit" für ein Mahnmal, das an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Schließlich werde nun ohnehin der Text auf der Tafel beim Hrdlicka-Mahnmal überarbeitet. Nur: Dort hängt keine Tafel. Die Historikerin Erika Weinzierl hatte sich einst dafür entschuldigt, im Text auf die homosexuellen Opfer vergessen zu haben. Vor zwölf Jahren. Im Jahr 2001 hakten die Grünen nach. Andreas Mailath-Pokorny will das ändern. Für den nicht gerade mutigen Text braucht er nun schon lange. Jetzt wurde bekannt, dass die Gedenkschrift einfach "allen Opfern des Nationalsozialmus" gewidmet sein wird. N. W.


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