Mundhimmel und Hirnhut

Kultur | KIRSTIN BREITENFELLNER | aus FALTER 49/03 vom 03.12.2003

LITERATUR Die luziden und sinnlichen Essays der Herta Müller handeln von Macht und Ohnmacht der Sprache und dem Leben in der Diktatur. 

Aufgewachsen in einem abgelegenen banatschwäbischen Dorf, in einem "Haus ohne ein einziges Buch", hat die Schriftstellerin Herta Müller ihre Kindheit als Schule des Schweigens erlebt, wo, was man tat, nicht im Wort verdoppelt werden musste, man aber gerade deswegen ein "Übergewicht der Dinge" im Kopf herumtrug. Die Städter im nahen und doch so entfernten Temesvar hingegen, wo Müller ab ihrem 15. Lebensjahr aufs Gymnasium ging und Rumänisch lernte, liefen mit diesem "überstrapazierten Ich im Mund" herum - zwei Pole, um die das Schreiben Müllers seither kreist und die auch das Terrain ihrer neuen Essays abstecken. "Der König verneigt sich und tötet" handelt von Dorf und Stadt, Gegenständen und Wörtern, Freiheit und Unterdrückung.

  Auf Rumänisch heißt Gaumen "cerul gurii." Und wo der Gaumen ein "Mundhimmel" ist, werden Flüche "poetisch


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