AUFGEBLÄTTERT

Kultur | KLAUS TASCHWER | aus FALTER 49/03 vom 03.12.2003

Kürzlich erst las sie anlässlich eines Konzerts des Charles Mingus Orchestra in Wien aus ihrem Buch. Ursprünglich hätten ihre Erinnerungen "Porträt des Künstlers als sterbender Mann" heißen sollen, die Joyce-Paraphrase als Titel war dann aber doch ungeeignet: Sue Graham Mingus' Bericht über ihre gemeinsame Zeit mit Charles Mingus (1922-1979) fielen persönlicher aus als geplant. Mingus, den sie 1964 kennen lernte und 1975 heiratete, war eine Art Muhammad Ali des Jazz: einer der - auch körperlich - größten Bassisten und Komponisten, großmäulig, unberechenbar und mit starken Fäusten ausgestattet, die mitunter auch seine Mitmusiker zu spüren bekamen. Der angry man des Jazz betätigte sich aber auch als Schriftsteller. Seine Autobiografie "Beneath the Underdog" - kürzlich in erweiterter Form wiederaufgelegt - braucht Vergleiche mit der Prosa eines Bukowski nicht zu scheuen. Selten hat einer so wütend gegen rassistische Diskriminierung angeschrieben und so atemlos von seiner


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