KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 50/03 vom 10.12.2003

Wie es Brian O'Doherty in seinem Essay "Inside the White Cube" so schön beschrieben hat, verließ das Bild im letzten Jahrhundert seinen Rahmen und dehnte sich in den Raum aus. Eine beeindruckende, fast großspurige Installation, die sehr nahe an der Malerei bleibt, ist derzeit in der Kerstin Engholm Galerie zu sehen. Was so perfekt aussieht, als wäre es am Rechner konzipiert und vielleicht sogar noch maschinell produziert worden, hat der junge Belgier Jan de Cock (bis 23.12.) als work in progress vor Ort gebaut. In rechten Winkeln wurden hier Spanplatten zu einem ungeheuer dichten Wandkonstrukt verschachtelt, dessen Faszinosum nicht zuletzt in seiner Tiefenwirkung und seinem Schwebecharakter liegt. Dem 1976 geborenen Künstler geht es darum, unüberschaubare Anordnungen zu schaffen, in denen die Wahrnehmung auf Trab kommt. Von dieser Ambition zeugen auch die Fotos, mit denen de Cock seine letzte Raumarbeit dokumentiert hat: Die in Leuchtkästen präsentierten Aufnahmen setzen de Cocks Installation samt Personen in Szene, deren Wege dank längerer Belichtungszeit teilweise noch zu sehen sind.

  Um mediale Übersetzungsverfahren drehen sich die sorgsam ausgewählten "Synthetic Pleasures", die David Komary in seinem Kunstraum dreizehnzwei (bis 20.12.) gerade präsentiert. Während Johanna Kirsch passbildgroße Selbstporträts im Kopierverfahren verfremdet, nutzen Flora Watzal und Michael Gumhold auf unterschiedliche Weise Wasseroberflächen für abstrakte Motive. Griffig geht der Brite Haroon Mirza vor, der eine Box mit ausgeleerten Karteikärtchen zeigt: Es handelt sich um das ins Reale "entführte" Icon für eine WinZip-Datei.


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