GOTT IN DER VERFASSUNG

Eine seltsame Schöpfung

Politik | aus FALTER 51/03 vom 17.12.2003

Fast ein Jahr lang ging Andreas Khol mit seinem Vorschlag hausieren, Gott in die Verfassung zu schreiben. Bis die Kirchen dem Konvent schließlich ihr Positionspapier vorlegten, in dem sich kein Sterbenswörtchen über den Allmächtigen fand. Der Nationalratspräsident gab sich bekehrt: Er wolle "nicht kirchlicher als die Kirchen" sein. Die Zeitungen gaben Entwarnung: "Kein Gott in der Verfassung".

  Vergangenen Mittwoch brachte nun die ÖVP ihren Entwurf für eine Präambel ein. Darin spricht sich die Kanzlerpartei ausdrücklich für die Formulierung "im Bewusstsein der Verantwortung vor Mensch und Schöpfung" aus.

  Ist damit das alte Anliegen vergeben und vergessen? "Gott wäre mit dieser Formel nicht aus der neuen Verfassung, im Gegenteil, er wäre eindeutig drinnen", sagt Heinz Mayer, Verfassungsexperte und Vorsitzender des Konvent-Ausschusses für "Staatsaufgaben und Staatsziele": "Denn wenn es eine Schöpfung gibt, gibt es automatisch auch den Schöpfer." Clemens Jabloner, Präsident


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