KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 51/03 vom 17.12.2003

Viele der bekanntesten Gemälde von Roy Lichtenstein sind zwar gerade in Dänemark ausgestellt, der amerikanische Pop-Artist hat aber genug typische Bilder hinterlassen, dass auch noch das Kunstforum Wien eine passable Retrospektive (bis 7.3.) gestalten konnte. Die erste hierzulande präsentierte Lichtenstein-Personale versucht Einblick in sämtliche Werkphasen zu geben. In der Ausstellung wird schnell deutlich, dass der 1997 gestorbene Künstler seiner Anfang der Sechzigerjahre entwickelten Handschrift lebenslang treu geblieben ist: Noch als Mittsiebziger paraphrasierte Lichtenstein japanische Holzschnitte in Rasterpunkten. Teen- und Actioncomics nahm Lichtenstein ebenso bildanalytisch unter die Lupe wie die Formensprache des Art-déco oder Klassiker der Moderne. Wohin ihn der Pinselstrich führte, zeigt ein schöner Teil der Schau, der ein im Stil des abstrakten Expressionismus gemaltes Bild (1959), eine Variante von Lichtensteins "Brush Strokes" (1965) und eine witzige De-Kooning-Verfremdung (1981) zusammenführt.

  Eine wichtige Anlaufstelle für Maler ebenso wie für Sammler und Kunstinteressierte stellte in Wien um 1900 die Galerie Miethke dar. Das im Palais Eskeles untergebrachte Jüdische Museum dokumentiert nun mit einer kleinen Schau (bis 8.2.) und einem ausführlichen Katalog die Geschichte der Kunsthandlung, die sich bis 1918 im selben Haus befand. Der Gustav-Klimt-Galerist Hugo Othmar Miethke brachte einst die französische Moderne von Monet bis Picasso nach Wien, stellte Fotografie aus und gab aufwändige Kunstbücher heraus - schon eigenartig, dass ein so verdienstvoller Mann heute so wenig bekannt ist.


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