Parteigenosse Sindelar

Stadtleben | PETER MENASSE | aus FALTER 51/03 vom 17.12.2003

ZEITGESCHICHTE Friedrich Torberg hat den Wunderteamfußballer Matthias Sindelar mit einem Gedicht zum Opfer des Nationalsozialismus gemacht. Jetzt sind just zu Sindelars 100. Geburtstag Dokumente aufgetaucht, die zeigen, dass der Fußballer 1938 im Zusammenspiel mit den Nazibehörden ein jüdisches Kaffeehaus geraubt hat. 

Friedrich Torberg hat ihm nach dem Krieg ein literarisches Denkmal gesetzt. Mit seinem Gedicht "Auf den Tod eines Fußballers" machte er Matthias Sindelar zum großen Märtyrer, der keinen anderen Ausweg vor dem Nationalsozialismus wusste, als in den Selbstmord zu gehen: "Er war gewohnt zu kombinieren, und kombinierte manchen Tag. Sein Überblick ließ ihn erspüren, dass seine Chance im Gashahn lag."

  Tatsächlich ist Matthias Sindelar, der Mittelstürmer des einstigen österreichischen Wunderteams, am 23. Jänner 1939 in der Wohnung seiner Freundin Kamilla Castagnola an einer Rauchgasvergiftung gestorben. 1903 wurde Sindelar im mährischen Dorf Kozlov bei Jihlava


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