SPIELPLAN

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 02/04 vom 07.01.2004

Barrie Kosky verfügt neben einer gut trainierten Theaterpranke und einem sensiblen Händchen für Schauspieler auch über einen starken Hang zur leichten Muse. Der Regisseur, der sowohl in der Oper als auch im Schauspiel arbeitet, versuchte im Schauspielhaus jetzt einen Mittelweg: Mit Schauspielerinnen und Sängern inszenierte Kosky eine Light-Version der Monteverdi-Oper "L'incoronazione di Poppea". Die heftige Liebesgeschichte von Kaiser Nero und seiner Mätresse wird in einer deutschen Fassung von Susanne Wolf, mit Songs von Cole Porter und mit unkonventioneller Begleitung (drei Celli und Kosky am Klavier) gespielt. Barock goes Broadway - warum nicht? "Poppea" (wieder ab 21.1.) funktioniert aber nur dann, wenn die tollen Frauen des Ensembles (Ruth Brauer, Beatrice Frey, Melitta Juricic) ihre großen Auftritte haben; die Männer (Kyrre Kvam, Martin Niedermair) hingegen können ihre Herkunft vom Musical nicht verleugnen, und auch Koskys musikalische Arrangements sind zu seicht, um ans Herz zu gehen.

  Noch leichtgewichtiger ist die aktuelle Produktion in den Kammerspielen ausgefallen. Die Verwechslungskomödie "Bei Kerzenlicht", die der Wiener Kabarettstar Karl Farkas 1937 gemeinsam mit Siegfried Geyer (und Musik von Robert Katscher) geschrieben hat, bietet ganz nette Unterhaltung, ist aber nicht weiter der Rede wert. Das gilt auch für Arie Zingers Inszenierung, in der - wie im Schauspielhaus - die Frauen (Caroline Vasicek, Sona MacDonald) deutlich bessere Figur als ihre männlichen Partner (Boris Eder, Thomas Schendel) machen. Der beste Gag des Abends stammt von Bühnenbildner Momme Röhrbein: Auf der Bühne steht ein riesiges Radio, hinter dem sich die Band verbirgt - genau so, wie wir uns das als Kinder immer vorgestellt haben.


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