PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Unter "Kein Schleimhautkontakt"

Stadtleben | aus FALTER 02/04 vom 07.01.2004

... Der Gott der Herrlichkeit donnert. In seinem Palast rufen alle: O herrlicher Gott! ...

Ps 29(28),1-2.3ac-4,3b u. 9b-10

(1. Zwischengesang am Fest der Taufe des Herrn, dem 1. Sonntag im Jahreskreis im gerade laufenden Lesejahr C)

Wieso hat Schlingensief fürs Burgtheater so einen schlechten Porno gedreht, und keinen guten? Sie schritten mit einem Schönling in seinem schönsten Anzug durch Wien, verzogen sich dann vermutlich im Sacher in ein Hinterzimmer und versuchten mit vereinten Kräften ihm einen runterzuholen, schönste gekaufte Frauen, der schreitendste größte Udo Kier durfte ihn nicht berühren. Und dann, vermute ich, hatte er Hemmungen abzuspritzen, weil er seinen schönsten Anzug nicht bekleckern wollte, und sie mussten alle wieder heim, am nächsten Tag wiederkommen, dann aber waren sie klüger, und zogen ihn komplett aus, auf die abwaschbare Haut, spritzte er ab, sodass im Burgtheater nun dieses auch erledigt ist. Wie im Neujahrskonzert der versaute Exzess des Walzers so ins Vornehme vernichtet wird jedes Jahr und der Dirigent nach jedem Musikstück, der ja ein Walzer offiziell vor den Augen der Philharmoniker ist, hinausgehen muss nach dem spanischen Hofzeremoniell, und alle sitzen steif in Reih und Glied vornehm, und er kehrt dann zurück, um das nächste Musikstück in Angriff zu nehmen. Im Moment geht also nur schwachsinnig oder steif. Was Lebendiges dazwischen ist offensichtlich außerhalb der derzeitigen Palette. So eine Schlampe wie Heinz Conrads damals oder Harald Schmidt heute. Das ist nicht im Programm.

  Natürlich, indem Schlingensief überhaupt einmal seinen Porno "Schreitende Leiber" auf die Bühne des Burgtheaters projizierte, kann ein Nächster kommen und einen engagierten, guten Porno dem Burgtheater anbieten. Und auch der Burgtheaterdirektor wird sagen, ich kann nicht ständig schweinigeln lassen auf meiner Burg. Und es ist ja tatsächlich so, dass dir ständig nur Kritik einfällt, weil die Wirklichkeit so gewaltig donnert beim Piepsen.

  Also hat Schlingensief einen großen Dienst geleistet dem Burgtheater und seinen in Reih und Glied zum Neujahrskonzert Versammelten. Und ich sitze im Burgtheater, umringt von den sanftesten Jüngelchens, und darf aber niemand berühren. Ich träume ein Burgtheater, wo einer einen sanft umarmt und die Lippen der Beiden ganz lange geschlossen sich aneinanderschmiegen, bevor dann die Schläge beginnen, weil sie so brennen. Das müsste doch inszenierbar sein. Als ich für Peter Fuxx und sein Pink Zebra Theater nackt und gespreizt in Ketten hing am Klo des Schauspielhauses, kam einer daher und begann herzlos zu prügeln, das tat aber zu weh. Dann kam einer und bohrte den Rohrstock von hinten ganz knapp nach dem Ende des Arsches nach vorne, so zärtlich, und trieb mich zum Spüren, bis ich so feste Schmerzen ersehnte, wie Christus am Kreuz. Das heißt, Schönborn kann gar nicht mit Sicherheit sagen, ob Christus am Kreuz nicht eine große Befriedigung erfuhr. Denn während du schreist und Gott anrufst, bereitet sich im Herzen des Masochisten ein Postfestum vor, das a posteriori wie a priori war. Danach sehne ich mich im Jahr 1 nach Schlingensiefs Samenerguss auf der Burg. Es müsste doch unter den Lesys des Falter versaute Jeansboys geben, die käuflich sind, obszön begabt und intellektuell beherzt, weil sie beim Erlagscheinzahlen einen Genuss verspüren? Die könnten sich doch als Heimseherfrage bei mir melden. Unter "Kein Schleimhautkontakt" an phettberg@phettberg.at.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige