VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 03/04 vom 14.01.2004

Es begann also das Jahr 1984, einst ein Datum, auf das man nach dem Titel eines Romans von George Orwell die Herrschaft einer alles umfassenden Diktatur projizierte. Und jetzt sah es aus wie ein ganz normaler Jahresbeginn, wären da nicht die Medien gewesen. zum Beispiel der Falter.

  Der gab überhaupt keine Ruhe und warf sich Seite für Seite auf das Thema. Am spektakulärsten trieben es Michael Freund und Wolfgang Kos, die sich auf die Spuren des Schriftstellers begaben, der den Hype zu verantworten hatte. "Eine Reise zum Mittelpunkt des Jahres" nannten sie ihre Expedition auf die schottische Insel Jura, wo Orwell sein Manuskript vollendete, "in spite of the mud and isolation."

  Die Philosophen Elisabeth Madlener und Wolfgang Pircher äußerten in einem großen Essay die Ansicht, 1984 werde "das Jahr der Hoffnung", jener nämlich, im allgemeinen Geschwätz werde "das Totale sich um seine Chance reden" . Der Schriftsteller Stephan Eibel behauptet schlicht: "1984 ist eigentlich uninteressant."

  Der Falter war das keinesfalls. In der nämlichen Ausgabe findet sich eine fulminante Abrechnung des Arztes Werner Vogt mit seinem abgehenden Primar "Dr. Braun", in dem sich leicht der namensgebende Übervater des Böhler-Krankenhauses erkennen ließ. Peter Oswald interviewte zwei Seiten lang Pierre Boulez ("Wenn man auf innere Disziplin verzichtet, befindet man sich schnell im Gefängnis von modischen Klischees"). Und abgesehen davon, dass im Prater die Geisterbahn abbrannte (Reportage: Michael Jäger), brachten wir so nebenbei noch ein Interview von Thomas Meisel mit Jean Genet, der kurz in Wien vorbeigeschaut hatte. A.T.


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