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Der Gehrer-Bonus

Politik | aus FALTER 03/04 vom 14.01.2004

Ibiza vergessen, Partys abschwören, ein paar Kinder kriegen und diese nicht nach einem Jahr wieder in der Krippe abgeben. Versuchte Ministerin Gehrer im vergangenen Sommer noch, jungen Leuten diesen Lebensentwurf mit guten Worten schmackhaft zu machen, lässt die Regierung jetzt Taten folgen. Der Alleinverdienerabsetzbetrag wird kräftig erhöht. Davon profitieren auch allein stehende Mütter. Vor allem aber wird es attraktiver, wenn in einer Familie nur einer - fast immer ist das der Mann - einen guten Job hat. Zwar wird gleichzeitig die Zuverdienstgrenze angehoben, bis zu der eine Familie diesen Steuervorteil nicht verliert. Aber, wie der Name schon sagt, die Frau soll nur dazuverdienen, sich aber nicht selbst erhalten können. Eine anständige Pension wird sie dank der letzten Reform der Regierung damit nie bekommen. Das einzig richtige Detail dieser falschen Maßnahme: Fürs zweite Kind kann man mehr abschreiben als fürs erste, fürs dritte noch mehr. Das ist fair. Drei und mehr Kinder können auch Mittelschichtler arm machen. Ohne Auto schafft man es kaum, Lebensmittel für fünf Personen nach Hause zu bringen, und drei Kinder passen schwer in einen Kleinwagen. Urlaubsangebote gelten oft nur für zwei Erwachsene und zwei Kids. Das zweite Kind erbt die abgetragenen Kleider des ersten, dann sind sie kaputt. Da kann einem das Feiern wirklich vergehen. E.W 


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