HOFBURG

Verpatzter Start?

Politik | aus FALTER 03/04 vom 14.01.2004

Im Gegensatz zu Heinz Fischer, seit zwei Wochen endlich offizieller Kandidat der SPÖ, hat Benita Ferrero-Waldner bis dato nur bekannt gegeben, dass sie gerne für die ÖVP antreten würde. Vorerst hat bloß ein überparteiliches Komitee, das der frühere ÖVP-Politiker, Ex-ORF-Generalsekretär und "Licht ins Dunkel"-Organisator Kurt Bergmann auf die Beine gestellt hat, erklärt, dass es die Außenministerin gerne in der Hofburg sehen würde. Wolfgang Schüssel sagte bisher nur: "Es ist das gute Recht angesehener Persönlichkeiten, sich öffentlich zu äußern."

  Erst am Donnerstag wird sich der ÖVP-Chef nach Beschluss des Parteivorstandes eine Stellungnahme abringen. Etwa in der Art: "Die ÖVP unterstützt den Vorschlag des Komitees." Die Bürgerlichen wollen damit suggerieren, Ferrero-Waldner sei eine überparteiliche Kandidatin. Nicht einmal ein Festakt zu ihrer Präsentation ist vorerst geplant. Über etwaige andere Gründe für die zaghafte Vorgangsweise schweigen sich die Spitzen beharrlich aus. Will der Kanzler etwa an der nicht gerade als krisenfest bekannten Ferrero-Waldner möglichst wenig anstreifen? "Es gibt auch andere, schönere Baustellen", meint ein Schwarzer nur kryptisch.

  Die War-Rooms werden sich in der Innenstadt jedenfalls symbolisch gegenüberliegen: Die ÖVP sucht ein Quartier am Parkring, die SPÖ am Schottenring. Die Roten wollen Fischer als echten Staatsmann mit bescheidenem Lebensstil und einzigen Wahrer des Nationalheiligtums Neutralität verkaufen. Die ÖVP setzt darauf, dass Ferrero-Waldner eine Frau sowie jünger als Fischer ist. Und: Das Schlagwort Sanktionen wird in den nächsten Monaten fast so oft auftauchen wie im Jahr 2000.

  Die Grünen werden für die Wahl am 25. April wahrscheinlich niemanden aufstellen, die FPÖ signalisierte, einen Kandidaten ins Rennen schicken zu wollen. Möglicherweise nicht zuletzt, um den Koalitionspartner in den nächsten Wochen damit erpressen zu können. E.W./N.W.


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