FERNSEHEN

Medien | JULIA ORTNER | aus FALTER 03/04 vom 14.01.2004

Die "Königin der Tränen" heult wieder. Margarete Schreinemakers, Urmutter des Betroffenheitstalks, ist mit einer Nachmittagsshow (Mo-Fr, 14.10 Uhr, ARD) auf die Bühne des professionellen Fernseh-mitleids zurückgekehrt. Und die 45-Jährige ist so voller Herzenswärme wie Anfang der Neunzigerjahre, als sie im Privatfernsehen quatschte. Damals war die Minirockträgerin berüchtigt dafür, mit ihren schicksalsgebeutelten Gästen auch mal mitzuweinen und sie freundlich anzufassen - das einfache Rezept machte sie zur Quotenqueen. Heute trägt sie noch immer kurzen Rock zum mütterlichen Lächeln und plaudert locker mit armen Schweinen und skurrilen Vögeln. Bloß mit den Gästen fummeln geht nicht mehr, weil die jetzt sicherheitshalber eine eigene Couch bekommen haben. Blöd für Schreinemakers, dass sie in der heutigen Talk-Landschaft nur antiquiert ausschaut: Nett und adrett plaudern ist so was von vorbei. Du musst ein hemmungsloser Schleimer sein wie Beckmann, eine alles niederwalzende Quasselmaschine wie Arabella oder eine beinharte Populistin wie Vera. Pech für Tante Margarete, dass in ihrer Branche kein Platz mehr für die gute alte Betroffenheitsmasche ist.


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