STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 03/04 vom 14.01.2004

Woche rückwärts mit zwei Filmen, die ursprünglich bereits voriges Jahr ins Kino hätten kommen sollen, deren Start aber noch einmal aufgeschoben wurde. Die deutsch-österreichisch-schweizerische Produktion "Epsteins Nacht" führt ins Berlin des Jahres 2000 (Rahmenhandlung), von dort in eine Kirche in Spandau (Weihnachten 1985) und in Rückblenden zurück in die Dreißiger- und Vierzigerjahre. Erzählt wird die Geschichte von Jochen Epstein, Adam und Karl Rose, dreier deutscher Juden, die vierzig Jahre nach der Shoah in einem Pfarrer ihren schlimmsten Peiniger, einen SS-Mann aus Birkenau, wiedererkennen. Als sie ihn zur Rede stellen, geschieht das Unvermeidliche, wobei man es Drehbuch (Jens Urban) und Regie (Urs Egger) hoch anrechnen muss, allzu vordergründige Spannungsmomente zugunsten der Charaktere bzw. Schauspieler (Mario Adorf, Bruno Ganz, Otto Tausig sowie Günter Lamprecht) hintangestellt zu haben. Leider nimmt der Film, wie in diesem "Genre" üblich, viel zu sehr Bedacht auf die Bequemlichkeit des Zuschauers: Statt ihn zu fordern, werden "Erinnerungen" an die Kindheit wie auch das Konzentrationslager flugs bebildert, musikalisch untermalt, konsumierbar gemacht.

  "Voilà. Die guten Zeiten sind vorbei. Wie lang haben sie gedauert? Fünfzig Jahre? Ich weiß nur das eine, dass alles vorbei ist. Terminus. Sunset Boulevard für alle." So oder so ähnlich sprach Alain Delon kürzlich in einem Interview über das Kino von gestern, die Filme von Jean-Pierre Melville und anderen, denen er seine Karriere verdankte. "The Good Thief", von Neil Jordan mit amerikanischem Geld und internationaler Besetzung in Monte Carlo gedreht, ist ein Remake von Melvilles "Bob le flambeur" (1956) und bestätigt Delons wehmütige Diagnose aufs Wort. Die forcierte Tristesse, die Nick Nolte in der Titelrolle zur Schau stellt, verträgt sich ganz schlecht mit den beliebigen Nebenfiguren und der um einige Nebenschauplätze verbreiterten Geschichte, die einen Überfall auf ein Casino zum Inhalt hat.


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