AUFGEBLÄTTERT

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 03/04 vom 14.01.2004

Anders als sein um fünf Jahre jüngerer Kollege Jáchym Topol (siehe Seite 59) ist dessen Landsmann Patrik Ouredník (Jahrgang 1957) nicht in seiner tschechischen Heimat geblieben, sondern 1985 nach Frankreich emigriert. Und anders als Topol in "Nachtarbeit" hat Ouredník die politischen Ereignisse des Jahres 1968 (und nicht nur diese) in seinem Büchlein "Das Jahr vierundzwanzig" nicht als vielstimmigen Roman, sondern als Auflistung von Erinnerungen organisiert, die Privates und Öffentliches, Individuelles und Kollektives gleichermaßen umfassen und dem vom Amerikaner Joe Brainard "erfundenen" und von George Perec berühmt gemachten Erinnerungsspiel folgen: Jeder der durchnummerierten Einträge ist nach dem gleichen Muster gebaut und beginnt mit denselben drei Worten: "Ich erinnere mich, dass ich im ,Licht', im Jahr achtundsechzig oder neunundsechzig ,Angélique' sah." Auf diese Weise werden die Erinnerungen aus den Jahren 1965 bis 1989 nicht hierarchisiert und doch systematisiert. Über


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