NÜCHTERN BETRACHTET

Als ich das erste Mal Schmalz ausließ

Kultur | aus FALTER 03/04 vom 14.01.2004

Viel stärker als über Musik und Mode, die in meiner Familie in nicht immer ganz zeittypischer Prägung vorhanden waren (Mireille Mathieu und Walkjanker), sind mir die Sechzigerjahre über das Essen präsent. Ich habe damals Gerichte gesehen und gegessen, die ich mir dann in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern erst mühsam und gegen innere Widerstände wieder aneignen musste (Augsburger, Blutwurst, Hirn mit Ei, gekochtes Rindfleisch ...) oder mein Lebtag nie wieder essen werde (Wurstschüsserln mit gedünsteten, geraffelten (!) Karotten, Kochsalat, Berner Würstel). Was auch immer ich gegen meine kulinarischen Sechzigerjahre vorbringen kann - Toast Hawaii etwa ist an sich schon Unfug, wird unter Zuhilfenahme fingerdick geschnittener Scheiben vom Geselchten statt des damals in Oberösterreich noch nicht bekannten Toastschinkens aber völlig unpackbar! -, so möchte ich die fat-awareness der Sixties heute keineswegs pauschal verdammen. Gewiss, dass die sonntags aus einer schrulligen


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