Purzelpreise

Stadtleben | CHRISTOPHER WURMDOBLER | aus FALTER 03/04 vom 14.01.2004

Schlussverkauf Das Ende des Winters ist da - zumindest in den Geschäften.

Wie war das früher? Da gabs einen bestimmten Tag in der Saison, an dem begann der Winterschlussverkauf. Die Leute standen eine Stunde früher auf, stellten sich vor den Geschäften in Position, und als sich die Türen öffneten, ging er los, der Kampf an den Wühltischen.

Heute kommt der Winterschlussverkauf schleichend. In vielen Geschäften gab es schon gleich nach Weihnachten Rabatt, was auch an den angeblich schlechten Umsätzen vor den Festtagen lag. Doch während früher die Preise immer kleiner wurden, je näher das Winterende rückte, reduzierte man in einigen Läden schon von Beginn an recht großzügig. Teilweise um fünfzig Prozent, wie im Flaggschiff des Italodesigners Diesel. Selbst gelernte Schnäppchenjäger sind verunsichert: Cool bleiben und warten, bis dort "Minus siebzig Prozent" steht, oder zugreifen, bevor es wer anderer tut? Immerhin gibt der Kleiderriese H&M seit dieser Woche einen Teil der Schlussverkaufklamotten bereits um siebzig Prozent billiger her, andere Ketten wie Peek & Cloppenburg, Gil oder die Gil Fashionarea sind noch zaghaft und reduzieren noch um dreißig Prozent. Denn bei teuren Labels ist schon das eine Menge Kohle. Im Bereich Lederwaren, eine der Branchen, die über das schleppende Weihnachtsgeschäft viel jammerte, gibt man sich auch noch zögerlich. Humanic und Stiefelkönig haben zumindest teilweise die 70-Prozent-Zeit ausgerufen. Allerdings hat es den Anschein, als seien nur die wirklichen Ladenhüter ganz günstig. Und wie jedes Jahr ist es sehr verwunderlich, dass der Schlussverkauf nicht nur die Bekleidungsbranche erfasst, sondern auch Geschäftsfelder, die saisonal unabhängig sind. So purzeln derzeit sogar bei der Möbelfamilie Putz die Preise.

In Deutschland hat man den Schlussverkauf mittlerweile abgeschafft. Bei uns ist das wohl auch nur noch eine Frage der Zeit.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige