Ein boykottierter Richter

Politik | FLORIAN KLENK | aus FALTER 04/04 vom 21.01.2004

KONTROLLE Ein unabhängiger Richter will die Verantwortung des Staates für einen Todesfall klären. Doch die Polizei spricht einfach nicht mit ihm. 

Alles war rechtmäßig", versichert der Innenminister. "Es war Rassismus", klagt die afrikanische Gemeinschaft. "Er wurde geschlagen", behauptet ein Zeuge. "Als Sau beschimpft", sagt eine Anrainerin. "Herzversagen", konstatiert die Gerichtsmedizin. "Er ist erstickt", sagt die Witwe von Cheibani Wague.

  Nur die Polizeibeamten, die sagen nichts.

  Im Sommer war das Herz des Mauretaniers Cheibani Wague einer Amtshandlung nicht mehr gewachsen. Ein Anrainer hielt die letzten Minuten des Einsatzes auf Video fest. Man sieht einen Regungslosen auf dem Asphalt des Heumarkts liegen. Auf ihm stehen und knien Menschen. Der Arzt? Die Hände im Hosensack. Die Polizei? Fesselt dem Reglosen die Beine. Eine Menschenrechtsverletzung?

  Es soll Richter geben, die Fälle mutmaßlichen Staatsversagens mit ausgestreckten Fingern von sich schieben. Fein verschnürt


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