SPIELPLAN

Kultur | C. WURMDOBLER/W. KRALICEK | aus FALTER 04/04 vom 21.01.2004

Das Theater zum Fürchten ist dem Ziel, das Gesamtwerk William Shakespeares durchzuspielen, einen Schritt näher gekommen: In der Scala wird "Macbeth" (bis 7.2.) gegeben. Regisseur Bruno Max hat das bluttriefende Stück um Mord und Macht in einen Weltkriegsbunker verlegt, das Personal trägt die entsprechenden Uniformen - selbst die Hexen. An der texttreuen Inszenierung gibts nicht viel zu meckern. Okay, Realismus mit geringen Budget wirkt schnell mal lächerlich. Shakespeares Text ist schaurig und brutal genug, da bräuchte es gar keinen Gruselnebel und keine schlechten Stunts. Horst Heiss' Macbeth ist - wie es sich nun mal gehört - ebenso getrieben wie Gabriele Heckels Lady Macbeth, und auch Wolfgang Leskys Banquo ist hier kein wirklich Guter. Allerdings hat man in der Scala auch ein paar Chancen vergeigt. So gibt es im Macbeth-Bunker einen Kontrollraum mit Monitoren, auf denen die kameraüberwachte Außenwelt zu sehen ist - nur ist da draußen nie was los: Ankömmlinge sind nie zu sehen, auch Dolch und Banquos Geist erscheinen nicht am Bildschirm. Schade.

  Das Leben ist ein Ringelspiel: Mit diesem Satz wäre über den Tanztheaterabend "Karussell", der derzeit im WUK (bis 25.1.) zu sehen ist, eigentlich alles gesagt. Mit einem sechsköpfigen Ensemble hat Regisseurin Birte Brudermann ein Stück choreografiert, das eigentlich nur aus einer einzigen Szene besteht: Einer befiehlt, die anderen folgen, müssen sich alberne Schaumstoffhelme und -schuhe anziehen; das wird so lange wiederholt, bis jeder einmal Chef war. In den 75 derzeit längsten Theaterminuten der Stadt geht es angeblich um den Arbeitskampf unter Immigranten, aber genauso gut könnte der Abend von Mobbing unter Kaffeepflückern in Guatemala oder von Hahnenkämpfen im österreichischen Skinationalteam handeln. Doppelt peinlich: Weil es sich um eine europäische Co-Produktion handelt, wird "Karussell" auch noch in den Niederlanden und Portugal gezeigt.


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