Kunst kurz

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 04/04 vom 21.01.2004

Mit schlichten Mitteln viel zu sagen, das ist das Ziel der Ausstellung "Poor Man's Expression". Dass dieser Ausdruck aus der Programmiersprache stammt, tut wenig zur Sache. In der von Martin Ebner und Florian Zeyfang konzipierten, sperrigen Schau wird der Link zu Computern, Datennetzen und virtueller Repräsentation nur deutlich, wenn man davon weiß. Die in der Kunsthalle Exnergasse gezeigten Arbeiten (bis 14.2.) sind an den Polen hermetisch oder vordergründig angesiedelt. Eine Ausnahme bildet das Musikvideo "Sylvesterboy" von Schorsch Kamerun, in dem der deutsche Musiker mit Hahnenkamm und Stars-&-Stripes-Cape verkleidet durch die Wüste hüpft, friedliche Afrikaner aufschreckt und schließlich mit ihnen gemeinsam verschiedene Rollen der (neo-) kolonialistischen Ordnung parodiert: Wedelst du mir Wind ins Gesicht, oder haust du mir eine rein? Seine Kunstfigur zwischen Glamour und Klamauk hat Kamerun nicht für die Ausstellung erfunden, aber den Kuratoren gleicht sie einer Computerspielfigur: Virtuelle Söldner haben ja immer wieder Missionen in unwirtlichen Regionen dieser Welt zu erledigen. Schade nur, dass die "Kunst" der Schau weit hinter Kameruns anspielungsreichem Agitpop zurückbleibt.

  Auch der L.A.-Künstler Dave Muller kultiviert die Einfachheit auf den ersten Blick. In der frisch fusionierten Engholm Engelhorn Galerie (bis 28.2.) zeigt Muller sonnige Grafik, die einerseits mit Fanattitüde aus dem visuellen Fundus der Popkultur schöpft (beliebtes Sujet: Plattenrücken), andererseits voller Galerienlogos und Verweise auf Ausstellungen anderer Künstler steckt. Netzwerkarbeit, Institutionskritik "light" und eine ausgeprägte Faszination für Graphic Design treffen hier aufeinander.


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