Fiakerfahren, speiben

Stadtleben | WOLFGANG PATERNO | aus FALTER 04/04 vom 21.01.2004

ALMANACH Ernst Molden, Stadterforscher und poetischer Kraftkerl, präsentiert in seinem jüngsten Buch Traditionen zum Richtigmachen. 

Tradition muss also nicht untertänigst absolvierte Pflichtübung sein, beraubt jeglichen Ursprungssinns. Ernst Molden sitzt im Kaffeehaus, er tastet fahrig sein Sakko ab, das Rauchen hat er aufgegeben, keine Zigarettenschachtel ist zu finden. Molden, der Schriftsteller und Sänger, sitzt also ohne Rauchzeug da, gleichsam entgegen aller Tradition, und denkt zum Thema Traditionen laut vor sich hin. Er denkt etwa, in seiner eigenen, so ganz fein gesponnenen Art, an das schöne, noch zu gründende Rattenaufnageln. Fünf verelendete Ratten, fünf Jahre lang von fünf Hausparteien an einem Stichtag aufgenagelt, das sei bereits ein Ritual. Ja, sagt Molden, Gegner jeder Dogmatik in Person, "das ist durchaus bereits ein Brauch, wenn sich eine Anzahl von Menschen, die über die Kleinfamilie hinausgeht, alljährlich an einem bestimmten Tag trifft, da können durchaus


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