STANDPUNKT

Antreten zum Diktat

Politik | aus FALTER 05/04 vom 28.01.2004

Ausländer in Zwangsdeutschkurse setzen, sie dafür auch noch zahlen lassen und jene aus dem Land werfen, die nicht spuren. Als der schwarz-blaue "Integrationsvertrag" vor einem Jahr in Kraft trat, war die Opposition empört. Ausländerkinder in einen Zwangskindergarten stecken, damit sie vor der Schule noch ordentlich Deutsch lernen - mit diesem Vorschlag erntete jetzt SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer ähnlich heftige Kritik, auch von den eigenen Leuten, vor allem von den Wiener Parteifreunden, die meinen, Integration könne nur auf freiwilliger Basis funktionieren. Daraufhin relativierte er seinen Vorstoß in der "Pressestunde" - er will den Pflichtkindergarten erst einführen, wenn sonst gar nichts mehr hilft, und dieses Vorschuljahr sollen alle Kinder, auch jene der Inländer, besuchen müssen. Hinter Gusenbauers Idee und dem Integrationsvertrag der Regierung steckt der gleiche, paternalistische Ansatz: Ausländer müssen zu ihrem Glück gezwungen werden, sie brauchen ein Diktat, um irgendwas zu tun. Auch wenn es an sich gescheit ist, Migranten möglichst früh beim Deutschlernen zu unterstützen, weil sie sonst keine Chance in Österreich haben - wer nicht freiwillig lernt, der lernt sowieso nichts. Beim Integrationsvertrag sieht man ja schon, wie eine Zwangsmaßnahme in der Praxis floppt: Die Sprachprüfung haben im ersten Jahr gerade einmal 951 Leute absolviert. J. O.


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