STREIFENWEISE

Kultur | DREHLI ROBNIK | aus FALTER 05/04 vom 28.01.2004

An die "Matrix"-Formel, zumal deren High-Concept-Styling, hält sich die deutsch-britisch-amerikanische Co-Produktion "Underworld". Gedreht wurde in Budapest, erzählt wird vom Kampf aristokratischer Vampire gegen plebejische Werwölfe, und wie Keanu und Konsorten tragen auch hier ganz ins Mythisch-Prophetische verwickelte Leute besten Alters schwarzes Leder und chronisch miese Laune zur Schau. Ansonsten schmachten sie, machen Martial Arts und ballern bandenkriegsmäßig rum, dass der Putz von den Säulen blattelt. Wenigstens ist es meistens sehr finster. Also versuchen wir, Grufti-Metal und dynastische Dialoggewitter zu überhören, und denken an "Romeo und Julia" oder irgendwas Schönes. Die Hauptrolle spielt Kate Beckinsale; Regie führte ihr Verlobter Len Wiseman, der seit seiner Ausstattungsassistenz bei "Independence Day" (1996) nichts mehr für - oder vielmehr: gegen - das Kino getan hat.

  Eine andere Art von Jugendkultur in ungestümer Bewegung zelebriert "A Hard Day's Night", vierzig Jahre alt und neuerdings restauriert. Auf die Frage, ob er Mod oder Rocker sei, meint der spaßige Drummer: "I'm a mocker." Genau so ist es! Hier ist alles Hybrid, Verarschung, ungefixte Identität, und Richard Lesters Film schwelgt zwischen Liveshow und Playback-Posing, Slapstick und Kalauer, Design und Improvisation. Liedgut, das heute zur Kulturerbmasse der westlichen Menschheit gezählt wird, erscheint in dieser radikalcharmanten Darbietung als Pop im besten Sinn: als "musikalische Verabredung zu nichts Besonderem" (D. Diederichsen), als etwas, das immer, überall und ohne große Voraussetzungen möglich ist: Hingabe ans Periphere, Flucht in die Zerstreuung. Die Band, um die es geht, heißt The Beatles und läuft vom Titelsong an allem und allen davon; der Film läuft leider nur eine Woche im Gartenbau. Yeah! Yeah! Yeah!


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