STANDPUNKT

Grassers Arroganz

Politik | aus FALTER 06/04 vom 04.02.2004

Karl-Heinz Grasser hätte einfach nur einen Fehler eingestehen müssen. Er hätte dem Homepage-Verein eine Rüge erteilen und ihn auffordern können, die fälligen Steuern prompt einzuzahlen - plus einer großzügigen Spende an die Caritas. Ein bisschen Spott hätte sich der Finanzminister, der sich im Steuerdschungel selbst nicht auskennt, gefallen lassen müssen, doch dann wäre die Affäre verebbt. Stattdessen hält sie Grasser selbst am Köcheln. Einmal schweigt er trotzig, dann lässt er sich die Wahrheit Stück für Stück aus der Nase ziehen (siehe "Was war"). Einen besseren Gefallen könnte der Minister der Opposition und den Medien gar nicht machen. Warum versagt Grasser so kläglich? Entpuppt sich das PR-Genie schlicht und einfach als PR-Niete? Mehr als das: Grassers Verhalten zeigt eine tief verwurzelte Arroganz gegenüber dem Staat und seinen Institutionen. Nicht nur, weil er die Fragen der Opposition im Parlament abschasselt. Grasser begreift den Staat als bürokratisches Monstrum, das auf radikale Diät gesetzt, wenn nicht gar erlegt gehört. Da darf natürlich nicht sein, dass graue Finanzbeamte strahlenden New-Economy-Yuppies, die gerade ein geniales Modell zur Steuervermeidung ausgetüftelt haben, die Tour vermasseln. Ein Weltbild à la Berlusconi: Wer den Staat übers Ohr haut, ist kein Gauner, sondern ein Held. G. J.


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