GRENZORT GMÜND

Eine Stadt in Angst?

Politik | aus FALTER 06/04 vom 04.02.2004

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der "illegalen Grenzgänger" im Bezirk Gmünd explodiert. Insgesamt wurden 4827 Personen aufgegriffen. Macht im Durchschnitt mehr als 13 Menschen pro Tag.

  Bei einem Sicherheitsgipfel im Herbst forderte der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP), der Bevölkerung solle Gewähr gegeben werden, "sicher im Land leben zu können". Sein politischer Ziehsohn, Innenminister Ernst Strasser, assistierte, dass die Kriminalität "in den allermeisten Fällen importiert" sei.

  Lebt es sich in Gmünd tatsächlich so gefährlich? Und was bekommt die Bevölkerung von den vielen Menschen, die nachts die grüne Grenze passieren, mit? "Natürlich besteht in der Bevölkerung eine gewisse Verunsicherung", sagt SPÖ-Bürgermeister Otto Opelka, "die Menschen verstecken sich ja nicht mehr so wie früher, sondern suchen bewusst Menschenansammlungen und bitten um Asyl." Bisher hätten sich die Bürger allerdings nur über die lauten Hubschrauber des Innenministeriums beschwert, die die Grenze nach "Illegalen" absuchen. Nur der einzige FPÖ-Gemeinderat in Gmünd hat im November einen "Dringlichkeitsantrag" für einen Assistenzseinsatz des Bundesheeres im Bezirk eingebracht, damit die Bevölkerung endlich beschützt werde. Er wurde von den anderen Parteien niedergestimmt. Die grüne Gemeinderätin Bettina Hradecsni erzählt, dass sie von den nächtlichen Grenzgängern "nur wenig" mitkriege - und wenn, dann "eher aus der Zeitung".

  Hinter vorgehaltener Hand erzählt sich die Bevölkerung aber sehr wohl die eine oder andere Geschichte. "Einmal habe ich eine 13-köpfige Familie bei mir übernachten lassen, weil sie so verzweifelt aussahen", sagt eine Gmündnerin, die nicht namentlich genannt werden will. Sie kennt auch andere Beispiele. Etwa von jener Kellnerin, die einem Paar, das sich in ihrem Lokal nur mit einem Tee aufwärmen wollte, gleich ein Taxi rief. Und dem Fahrer befahl, "die seltsamen Leute" bei der Polizei abzuliefern.


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