Wie die Hunde

Politik | FLORIAN KLENK / Timis¸oara | aus FALTER 06/04 vom 04.02.2004

STRAFVOLLZUG Wir werden ein Gefängnis in Rumänien bauen, verkündet der Justizminister. Fällt ihm wirklich nichts Besseres ein? Ein Lokalaugenschein. 

Vielleicht sollte man mit diesem Pferdefuhrwerk beginnen, das mit einem abgefrorenen Bauern durchs Dorf Tomnatic rumpelt. Es ist das einzige Gefährt. Autos sind nicht zu sehen. Der einst kommunistische Dorfladen "Universal" ist verriegelt, vor den farbenprächtigen Höfen bittet eine Frau um Brot.

  Die Gegend hier zählt zu den reichsten in Rumänien. In nur zwölf Wochen - wenn sich die EU nach Osten erweitert hat - werden die Pferdegespanne nur noch dreißig Kilometer von der Europäischen Union entfernt sein. Und in drei Jahren, wenn alles gut geht, werden die Bauern von dort selbst EU-Bürger sein. Schon jetzt brauchen sie kein Visum mehr, wenn sie ins Paradies wollen.

  Paradies? Immer öfter landen Rumänen in den Gefängnissen Wiens. Zu Hause verdienen sie hundert Euro im Monat. Da fassen manche in die Regale der Supermärkte.


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