Jugend unterm Kruckenkreuz

Politik | EVA WEISSENBERGER | aus FALTER 06/04 vom 04.02.2004

ZEITZEUGEN Das Arbeiterkind Kurt Treml war im Februar 1934 sieben Jahre alt, der Bürgerssohn Hubert Jurasek 14. Der Rote erlebte den Bürgerkrieg im Karl-Marx-Hof, der Schwarze aus der Josefstadt traf Dollfuß einen Tag vor dessen Tod. 

Billige Kohlen! Diese Mezzie kann sich der Josefstädter Damenhutmacher Jurasek nicht entgehen lassen, denn das Geschäft läuft schlecht. Deshalb geht er am Nachmittag des 12. Februar 1934 mit seinem 14-jährigen Sohn Hubert Richtung Stadtbahnbögen. Sie sehen ungewöhnlich viele Straßenbahner herumstehen, die Polizei geht in Doppelposten mit Gewehren. Den Vater erinnert das an den Juli 1927, als der Justizpalast brannte. Vom Dach seines Wohnhauses in der Florianigasse 14 hat er damals den Rauch gesehen. Zwei Zeitungsredaktionen im Grätzel sind gestürmt worden. Klassenkampf! Vater und Sohn kehren schleunigst um. Zu Hause ist es dunkel, Stromausfall.

Vier Kilometer weiter, im Karl-Marx-Hof, Stiege 16, Tür 20, malt der siebenjährige Kurt Treml bei Petroleumlicht


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige