DER BÜRGERKRIEG VON 1934

Kampf um die Gemeindebauten

Politik | aus FALTER 06/04 vom 04.02.2004

Der Linzer Arbeiterführer Richard Bernaschek hat viel ertragen. Zwei Wochen lang ließ er wie alle österreichischen Genossen die Razzien der Polizei in Parteiheimen und Gemeindebauten über sich ergehen. Doch als Bernaschek ein geheimer Erlass der oberösterreichischen Sicherheitsdirektion in die Hände fällt, der vorsieht, sozialdemokratische Funktionäre in "Anhaltelager" einzusperren, teilt Bernaschek an seine Kader Waffen aus. Der Bürgerkrieg beginnt.

  Am 12. Februar 1934, um sieben Uhr früh, stürmt eine Polizeikohorte das Linzer Hotel Schiff, ein rotes Parteilokal. Bernascheks Truppe empfängt sie mit Maschinengewehrsalven. Der Funke springt über. In Industriestädten im ganzen Land probt der Schutzbund, der paramilitärische Arm der Sozialdemokratie in der Zwischenkriegszeit, den Aufstand. Zu Mittag gehen in ganz Wien die Lichter aus: Die Arbeiter der Elektrizitätswerke geben das Signal zum Generalstreik. Am Nachmittag entzünden sich dann heftige Gefechte um die großen Gemeindebauten - den Goethehof in Kaisermühlen, den Schlingerhof in Floridsdorf und die Arbeiterburgen auf der Sandleiten. Um den Karl-Marx-Hof in Heiligenstadt, Symbol des Roten Wien, wird vier Tage lang gekämpft.

  Am Ende behalten Polizei, Bundesheer und die Heimwehr, faschistisches Pendant zum Schutzbund, die Oberhand. Der Aufstand der Sozialdemokraten scheitert unter anderem deshalb, weil der Generalstreik fehlschlägt. Die Regierung Engelbert Dollfuß geht nun mit eiserner Faust gegen die Sozialdemokraten vor: Standgerichte exekutieren Aufständische. Die Partei wird samt allen ihren Organisationen aufgelöst, sozialdemokratische Mandatare und Funktionäre werden abgesetzt und inhaftiert. Bis Mitte März kommt es zu 7823 Verhaftungen aufgrund der Februarunruhen. Offizielle Zahlen sprechen von rund 120 Toten auf Regierungsseite und 200 Toten bei den Aufständischen - was wohl zu tief gegriffen ist.

G. J.


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