SPIELPLAN

Kultur | CHRISTOPHER WURMDOBLER | aus FALTER 06/04 vom 04.02.2004

Die Josefstadt gibt ausnahmsweise mal kein buntes Buffostück, sondern Arthur Schnitzlers "Der grüne Kakadu". Dem stellt Regisseur David Mouchtar-Samorai zwei Vorspiele voran, Stefan Zweigs "Der verwandelte Komödiant" und einen Dialog aus Jean Giraudoux' "Impromptu de Paris", in dem sich ein Theatermacher über die Kritiker beschwert, was ja irgendwie ganz gut in die aktuelle Situation des Hauses passt. Und auch dramaturgisch Sinn macht, denn bei Schnitzler geht es ebenfalls ums Theater, geht es darum, was Realität ist und was Schauspiel: Über einem Erlebnisrestaurant, in dem Schauspieler Kriminelle darstellen und wo sich die feine Gesellschaft gerne mal gruselt, bricht die französische Revolution herein - und die Realität in Form eines echten Mordes. Ensemble und Regisseur präsentieren den Einakter solide und nicht uncharmant, zugespitzt auf einen überraschenden Endeffekt.

  Vor ein paar Jahren hätte wohl Noch-Josefstadt-Direktor Gratzer die österreichische Erstaufführung des tollen Theatertexts "Bier für Frauen" von Felicia Zeller besorgt, jetzt muss halt der Sonntagsclub ran: Drei junge Frauen geben sich die Kante, reden über Männer und was sonst noch so anfällt. Hille Beseler, Julia Höfler und Katharina Schwarz machen das im Little Stage (bis 12.2.) in gemütlicher Loungeatmosphäre und mit viel Bravour. Ohne einen Schluck zu trinken, durchleben die drei eine Sauftour vom Albernsein bis zum Moralischen. Katrin Schurich inszenierte feines Konfessionstheater, Theater für die Generation Neon (die Illu), Wir sind Helden (die Band) oder "Sendung ohne Namen" (das Fernsehen). Nur sollte sich der Sonntagsclub schleunigst einen anderen Spielort suchen, das Hinterzimmer eines lauten Bierlokals ist selbst für dieses Stück eine Spur zu authentisch.


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