STADTRAND

Sind wir alle overrexed?

Stadtleben | aus FALTER 06/04 vom 04.02.2004

Im Zusammenhang mit einem zugegeben spektakulären Einbruch in ein Juweliergeschäft auf der Kärntner Straße am vergangenen Sonntag war immer wieder das Wörtchen "filmreif" zu hören. Presse und Fernsehen beschrieben die Straftat als "filmreifen Coup", was ja irgendwie ein gewisses Maß neidloser Anerkennung, aber auch einiges Grausen impliziert: Wien ist ein bisschen wie Chicago, aber eigentlich sind so Gangster-Banden doch ganz schlimm. Und was, bitte schön, ist da jetzt filmreif dran? Wer möchte einen Film sehen, in dem an einem Sonntagmorgen mit einem Auto eine Schaufensterscheibe eingefahren wird, Markenuhren eingesackt werden und die Täter unerkannt entkommen? Langweilig. Und ungefähr ähnlich "filmreif" wie eine Folge "Kommissar Rex". Wirklich filmreif sind ganz normale Alltagsszenen. Wenn zum Beispiel Wiens ehemaliger Bürgermeister in der Auslage eines Feinkostgeschäfts an einer Mortadella schnuppern darf, wenn im Beisl vis-à-vis auch nach Sperrstunde noch Engtanz angesagt ist oder wenn der neue Kellner im Café Jelinek seinen Gästen die verschiedenen Kaffeespezialitäten szenisch vorspielt. So was ist filmreif. Aber doch nicht so ein blöder Einbruch in ein Juweliergeschäft. Oder sind wir mittlerweile alle schon so overrexed, dass uns so was wirklich taugt? C. W.


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