Strenge Kammer

Politik | NINA HORACZEK | aus FALTER 07/04 vom 11.02.2004

GERICHT Arbeiterkammer-Direktor Werner Muhm wird vors Arbeitsgericht zitiert - ausgerechnet von seinem eigenen Betriebsrat. 

Kurz vor Prozessbeginn verließ sie der Mut. Die Anwesenheit von Journalisten bei dem Prozess gegen die Chefetage der Wiener Arbeiterkammer (AK) sei nicht erwünscht, erklärte ein Betriebsrat. Notfalls könne man auch den Saal räumen lassen, drohte seine Kollegin.

  So weit ging der Betriebsrat doch nicht. Die Nerven lagen aber blank, als AK-Direktor Werner Muhm in den Zeugenstand gerufen wurde. Dabei machen die Arbeiterkämmerer nichts anderes, als sie Tag für Tag Arbeitnehmern, die sich ungerecht behandelt fühlen, raten: Ihre Rechte notfalls auch vor Gericht durchzusetzen.

  Konkret kämpft der AK-Betriebsrat um ein paar freie Tage, die Muhm nach seinem Amtsantritt im Jahr 2000 gestrichen hat. Seit Jahrzehnten dürften AK-Angestellte an circa drei Fenstertagen pro Jahr blau machen. Der neue Direktor wollte der Belegschaft aber höchstens einen Tag gönnen, und das nur unter Vorbehalt. Denn laut Muhm könne sich das "Unternehmen Arbeiterkammer" einen solchen Luxus nicht leisten. Der sozialdemokratisch dominierte AK-Betriebsrat hingegen findet, die Belegschaft habe das Recht auf die zusätzlichen Freitage, und dafür würde es sich lohnen, den Chef zum Arbeitsgericht zu zitieren - besonders im Arbeiterkammer-Superwahljahr 2004, das Anfang Februar mit den Wahlen in Salzburg eröffnet wurde und bis zu den Wiener AK-Wahlen im Mai dauert.

  Die beiden Streitparteien konnten sich auch vor Gericht auf keinen Kompromiss einigen. Deshalb heißt es im Februar wieder "Kammer gegen Kammer" am Wiener Arbeitsgericht.


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