148 Minuten Einsamkeit

Kultur | MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 07/04 vom 11.02.2004

FILM Mit Bruno Dumonts "L'Humanité" kommt einer der bemerkenswertesten europäischen Filme des vergangenen Jahrzehnts endlich ins heimische Kino. 

Wenn "L'Humanité" einen Soundtrack hätte, müsste "I'm lonely" von Screaming Jay Hawkins darauf sein. Weil der Film aber keinen hat, und weil das auch gar nicht zu der Art passen würde, wie Bruno Dumont Filme macht, muss die Hauptfigur, ein Landpolizist mit dem Namen Pharaon de Winter (Emmanuel Schotte), selber schreien. Am Rand eines Stoppelfeldes stehend, brüllt er seine ganze Verzweiflung ins Tosen eines vorbeifahrenden TGV.

  "L'Humanité" ist ein Film über absolute, undurchdringliche Einsamkeit. Über jenen Zustand, der das Leben aller Figuren bestimmt, die in der leeren Herbstlandschaft Nordfrankreichs wirken, als hätte man sie ausgesetzt: Domino, die junge Frau mit den breiten Schultern und dem groben Gesicht, die tagein tagaus auf der Vortreppe ihres Häuschens herumlungert; ihr Freund Joseph, muskulös und fahrig, der Domino


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