STADTRAND

Speichelmedium

Stadtleben | aus FALTER 07/04 vom 11.02.2004

Wieso müssen junge Männer eigentlich immer in der Gegend herumspucken? Angeblich, weil sie "so einen depperten Geschmack im Mund haben", wie sich bei der Recherche herausstellte. Psychologen vermuten, der Speichel repräsentiere Sperma und das Schlatzen habe etwas mit Imponiergehabe und Sexualität (ich kann mehr, weiter, lauter als du ...) zu tun. Vielleicht ist Spucken ja sogar eine Art geheimer Code, den nur Jungmenschen untereinander verstehen. Interne Kommunikation mittels Speichelmedium, sozusagen. Jedenfalls gibt es Gegenden in Wien, da ist zu bestimmten Zeiten der Asphalt mit einer dicken Speichelschicht bedeckt. Besonders in der Umgebung von Jugendzentren, Diskotheken oder anderen Abfüllstationen für den Nachwuchs. Das ist einerseits ein guter Grund, von seinen Besuchern zu verlangen, sich doch bitte schön die Schuhe auszuziehen. Andererseits ist das auch wirklich eklig. Ganz zu schweigen von der Sturzgefahr, der ältere Menschen ausgesetzt sind. Das Speichelschlatzen wird nur noch vom Kaugummi-Ausspucken getoppt. Allerdings: Wenn alle Straßen mit ausgespuckten Kaugummis bedeckt sind, spart sich die Stadt teure Ausbesserungsarbeiten. Und die Straßenreinigung. Das übernehmen dann nämlich auch die Schlatzer. C. W.


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