Grammelschmelz

Stadtleben | CHRISTOPHER WURMDOBLER | aus FALTER 07/04 vom 11.02.2004

SÜSSES Wieso geben Leute soviel Geld für handgemachte Zotter-Schokolade aus?

Wenn man's nicht weiß, dann schmeckt die Schokolade mit Grammelnussen wirklich köstlich. Wer aber vorher am Etikett schaut, muss sich möglicherweise ein wenig überwinden. Und Vegetarier steigen sowieso schon vorher aus - ebenso wie bei der Sorte "Kaffeepflaumen mit Speckkrokant". Möglicherweise ist ja "Fontinakäse" was: Eine "harmonische Verbindung von mildem Fontinakäse aus dem italienischen Aostatal mit Mandeln und weißer Schokolade, abgeschmeckt mit einem Hauch von Apfelbalsamessig, in zarter Milchschokolade getunkt", steht auf dem Beipackzettel.

Jawohl, die Rede ist immer noch vom Naschen. Die Schokoladenmanufaktur Zotter, im oststeirischen Hügelland gelegen, hat sich 1996 auf das Handschöpfen seltsamer Schokoriegel spezialisiert und seit einiger Zeit ist die "kinky Schoko" in aller Munde. Feinkostgeschäfte verkaufen die kleinen Tafeln mit den Künstlercovers ebenso wie Weingschäfte, sogar Trafikanten haben sie bereits im Angebot, Zuckerlgeschäfte sowieso. Zwischen 2,50 und 3,50 Euro kostet so ein Riegel, fast niemand hält das gesamte Zotter-Sortiment parat. 52 Sorten zählen allein zum Standardsortiment, dazu kommen Kindersorten und solche für "besondere Anlässe". Zwischen "Apfel-Berberitze" (Milchschokolade, mit getrockneten Rubinetten-Äpfeln, Honig und Berberitzenbeeren gefüllt), "Shitakepilz", "Sellerie" oder "Zitronenkonfit und Meersalz" (Edelbitter gefüllt mit Konfitüre aus Zitronen und Salz mit weißer Schokolade und Chili) gibt es auch ganz naheliegende Sorten, oft in Verbindung mit Alkohol. Feine Schokolade, das haben Auskenner schon länger prognostiziert, haben bald einen ähnlichen Stellenwert wie guter Wein oder Zigarren. Manchen ist die Zotter-Vielfalt eine Spur zu übertrieben.

Im Süßwarenhandel, Infos: www.zotter.at


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