Die Niederlage

RAIMUND LÖW / Washington | Vorwort | aus FALTER 08/04 vom 18.02.2004

AUSLAND Noch immer wirkt das Vietnamtrauma in Politik und Gesellschaft der USA. Auch im Kampf um die Präsidentschaft. Die Szene wiederholt sich immer wieder: Knapp vor dem großem Augenblick, in dem John Kerry auftritt, heben Helfer einen schweren Mann im Rollstuhl auf die Bühne. Max Cleland ballt zur lauten Rockmusik der Wahlkampfregie kämpferisch die Faust, die Menge tobt. Beide Beine und einen Arm hat der ehemalige Senator aus Georgia in Vietnam verloren. Weil er gegen George Bushs Antiterrorgesetze gestimmt hat, wurde er von den Republikanern 2002 mit Osama bin Laden und Saddam Hussein verglichen und verlor seinen Sitz im amerikanischen Oberhaus. Dem demokratischen Wählerpublikum wird er als doppeltes Opfer präsentiert: verstümmelt im Kampf fürs Vaterland und politisch besiegt von einem Gegner, der nicht davor zurückschreckt, selbst einem Kriegsinvaliden mangelnden Patriotismus vorzuwerfen, wenn es politisch nützlich ist.

  Nie zuvor hat ein amerikanischer Politiker versucht,

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