STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 08/04 vom 18.02.2004

Als Agententhriller ist "The Recruit" (deutsch als "Der Einsatz" missverstanden) so etwas wie der Gemischte Satz beim Heurigen: ein Auszug verschiedener Sorten, gefällig gemischt und zum baldigen Konsum bestimmt. In diesem Fall handelt es sich um ein Sammelsurium altbekannter Versatzstücke aus dem CIA-Lehrer-Mentor-Verschwörungs-Gärtlein: Junger, ehrgeiziger Mann mit Vaterkomplex (Colin Farrell, Ire mit Sexappeal und wahllosem Appetit auf noch die schwächsten Rollen) trifft mephistophelischen Althasen (Al Pacino, zum x-ten Mal in derselben Rolle) und lernt, dass a) nichts ist, was es scheint und b) die Welt heutzutage geopolitisch betrachtet recht kompliziert ist. Will man diesem Thriller von der Stange (Regie: Roger Donaldson) etwas abgewinnen, dann sind das höchstens Randnotizen aus dem Bereich der Gegenwartspolitik: Der Feind ist im eigenen Land zu finden, und auf einem Wegweiser in Virginia ist das "George Bush Center for Intelligence" ausgeschildert.

  Um Gut und Böse geht es - wenn auch ungleich intelligenter! - auch in einem Film, der dankenswerterweise wieder einmal im regulären Kinoeinsatz zu sehen ist. "The Night of the Hunter" (1955), die einzige Regiearbeit des Schauspielers Charles Laughton, gehört unbestritten zu den schönsten und stimmigsten gothic thrillers der Kinogeschichte: Robert Mitchum als Prediger mit tätowierten Knöcheln; Shelley Winters, deren Haar wie Seegras in der Strömung wogt; Wahnsinn und Melancholie, schwarz-weiß fotografiert von Stanley Cortez. Gezeigt wird der Film im Doppelpack mit Jim Jarmuschs "Dead Man" (1995) - eine schöne Kombination - täglich um 19 bzw. 21 Uhr im Gartenbau (OmU).

  Außerdem neu im Kino: Michael Sturmingers "Hurensohn", eine der wenigen großen heimischen Spielfilmproduktionen des Jahres, eine fatalistische Moritat aus dem Wiener Rotlichtmilieu nach dem Roman des Grazers Gabriel Loidolt. Mehr dazu im nächsten Falter.


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