Teufelsroller

Stadtleben | CHRISTOPHER WURMDOBLER | aus FALTER 08/04 vom 18.02.2004

BRAUCHTUM Nach den Krapfen kommen die Karpfen. Oder so ähnlich.

Eigentlich sollten sie ab Dienstag aus den Vitrinen der Bäcker und Konditoren verschwunden sein, die Krapfen. Dann nämlich beginnt in gewissen Kreisen die Fastenzeit, und süßes Fettgebäck ist dann tabu. Fisch in allerlei Ausformungen hingegen hat ab Aschermittwoch Hochsaison. Und auch Menschen, die nicht fasten, fühlen sich von Teufelsrollern und Heringsschmaus magisch angezogen.

Hering galt früher als Armeleuteessen. Klöster bedienten sich häufig aus den eigenen Fischteichen, der Rest der gläubigen Bevölkerung konnte sich halt nur den billigeren Meeresfisch leisten. Und weil Transport wie Lagerung von Frischfisch früher einige Probleme mit sich brachte, legte man Hering und Co kurzerhand in Salzlake ein und machte ihn dadurch haltbar. Beliebt sind bis heute das Filet vom Matjes (dem noch nicht geschlechtsreifen Hering) oder der mild gesäuerte Bismarck-Hering im Glas. Auch Räuchern hilft, das leicht verderbliche Nahrungsmittel zu konservieren.

Der Heringsschmaus selbst, wie er ab Mittwoch in vielen Gasthäusern und an Feinkosttheken angeboten wird, besteht aus einem hausgemachten Salat mit - je nach Hersteller und/oder Tradition - viel Mayonnaise, Sauerrahm, Bohnen, Kartoffeln und Äpfeln, bisweilen wird er auch mit roten Rüben verfeinert, was farblich eher für Experimentierfreudige geeignet ist. Was das mit Fasten zu tun hat? Nicht viel. Aber es schmeckt. Und hilft angeblich gegen den Kater vom Vortag.

Im Lebensmittelhandel und auf den Märkten.


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