Kommentar

Wiener Theater auf der Couch

WOLFGANG KRALICEK | Kultur | aus FALTER 09/04 vom 25.02.2004

Die von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny im Zuge der Wiener Theaterreform eingesetzte Jury (siehe Bericht auf Seite 59) ist so paritätisch besetzt wie einst die Hörer- und Seherkommission des ORF: vier Frauen und drei Männer; eine junge und eine ältere Theaterkritikerin, eine junge Festivalmacherin und ein älterer Festivalmacher, eine Tanzexpertin, ein Musikmanager und, zur akademischen Absicherung, ein Quotenprofessor.

Aus der vor- und rücksichtig zusammengestellten Jury kann man - so wie Ronald Pohl im Standard - darauf schließen, dass den Stadtrat der Mut schon wieder verlassen hat und eh alles bleiben soll, wie es ist. Nicht zu Unrecht befürchtet Pohl, dass mit gröberen Veränderungen der Wiener Theaterlandschaft frühestens beim nächstmöglichen Termin, also 2009, zu rechnen ist. Man kann es aber auch positiver sehen: Mit der Aufgabe, die theaterpolitischen Versäumnisse von Jahrzehnten in wenigen Monaten wettzumachen, wäre vermutlich auch die radikalste Jury der Welt

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